Boualem Sansal erhält deutschen Friedenspreis.

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Eigentlich war er Maschienenbauer und zum Schreiben kam er ziemlich spät. Im Alter von 50 schrieb er 1999 seinen ersten Roman.

Nun erhält der algerische Schriftsteller Boualem Sansal den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Nachdem er in Deutschland noch nicht ganz so bekannt war, wird sich für ihn nun einiges ändern. Und das ist auch gut so, denn seine Bücher rütteln wach. Erbarmungslos und gewaltig kommen sie daher. Man will sie bis zum Ende lesen, auch wenn sie manchmal weh tut, die Wahrheit über die er schreibt. Eine Wahrheit, die nicht allen bequem sein dürfte, denn nicht umsonst hat Sansal nach der Veröffentlichung seines Erstlingswerkes seine Arbeit im Ministerium verloren. Er macht weiter, lässt sich nicht einschüchtern. Bis heute lebt er auch noch in Algerien – als einer der wenigen Intellektuellen, die dem algerischen Regime mutig die Stirn bieten. Er bleibt: trotz Überwachung seiner Person und Verbot seiner Bücher.

Und alle Titeln mit einem Mann, der in Zukunft hoffentlich noch mehr Gehör findet. Er ist in aller Munde und so schreibt etwa die Zeit:

„Mit Sansal werde ein Autor geehrt,… „der als leidenschaftlicher Erzähler, geistreich und mitfühlend, die Begegnung der Kulturen in Respekt und wechselseitigem Verstehen befördert,“ heißt es in der Begründung des Stiftungsrats. Der 61-Jährige, dessen Bücher in Algerien auf den Index gesetzt wurden, gehöre zu den wenigen im Land verbliebenen Intellektuellen, die offen Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen übten. „Mit seinem hartnäckigen Plädoyer für das freie Wort und den öffentlichen Dialog in einer demokratischen Gesellschaft tritt er gegen jede Form von doktrinärer Verblendung, Terror und politischer Willkür auf. Dabei richtet sich sein Blick nicht nur auf die Heimat, sondern auf die ganze heutige Welt.“

Interessant an ihm ist, dass er einer der Araber Algeriens ist, die sich für die Rechte der Minderheiten einsetzen. Algerien besteht, anders als angenommen, nicht nur aus Arabern, sondern vielmehr aus arabisierten Berbern, und denenjenigen Berbern, die gar nicht arabisch sprechen. Die Berber, die sich selbst Maziren (Imazighen) nennen, kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Arabisierung ihres Volkes. Boualem Sansal äußert sich auch hierzu immer wieder und nimmt eine klare Position für die Berber ein, was ihn bei der Regierung in den vergangenen Jahren nicht beliebter gemacht hatte, war er ihr schon vorher ein Dorn im Auge.

Der ihm verliehene Buchpreis und die mediale Aufmerksamkeit, die ihm jetzt zukommt dürfte der Regierung eher missfallen. Anstatt sich zu freuen, dass ein Algerier einen deutschen Buchpreis gewinnt, wächst die Angst, dass eine der kritischsten Stimmen Algeriens nun auch aus der ferne zu hören sein wird.
In der Algerischen Presse wird in der Regel nicht über Sansal berichtet, und er hat keinen großen Bekanntheitsgrad in seiner heimat. Das dürfte sich bald ändern und dann werden sich sicher auch viele Algerier fragen, warum seine Werke verboten sind. Irgendwann kommt immer die Wahrheit ans Licht. Der an Sansal vergebene Friedenspreis hat alle Chancen ein Friedenspreis mit Friedens- oder Demokratiefolge zu sein, und das nicht nur für Algerien, sondern auch für Marokko, Libyen und Tunesien, wo die Berber mit ähnlichen Problemen kämpfen.

Der Friedenspreis 2011 des Deutschen Buchhandels ist mit 25.000 Euro dotiert und wird seit dem Jahre 1950 vergeben. Die Auszeichnung wird immer zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 16. Oktober überreicht, zu der Sansal persönlich erwartet wird.

2003 erschien die erste deutschsprachige Übersetzung seiner Werke im Merlin Verlag, der fast alle seine weiteren Werke in deutscher Sprache veröffentlichte.

Die Tamurt.info Redaktion freut sich mit Boualem Sansal über seine wohlverdiente Auszeichnung und gratuliert ihm von Herzen. Chapeau, Boualem Sansal, weiter so!

Uli Rohde

2 KOMMENTARE

  1. Eine recht erfreuliche Nachricht! Toi toi toi, Herr Sansal und lassen Sie sich nicht von der Algerischen Mafia/Regierung einschuechtern!
    Diese Preisverleihung wird hoffentlich einige Algerier die Augen oeffnen…hoffentlich.

  2. Hallo Manfred, bin auch gerdae beim Testen, tolle Sache.Ich habe nur ein Problem mit den Videos, ich glaube, da benötige ich noch Deine Hilfe, denn das will nich klappen mit dem HTML code.Viele GruesseMonika

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