Die Autonomie der Kabylei als Lösung der algerischen Krise

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Die Probleme in der Kabylei – einer Bergregion im Nordosten Algeriens, die eine Hochburg des Befreiungskrieges gegen die Kolonialherrschaft Frankreichs war, sind sehr vielschichtig. Das Hauptproblem liegt in der Durchsetzung durch das Militärregime nach der Unabhängigkeit Algeriens 1962 einer Re-islamisierungs- und Arabisierungspolitik, die als Voraussetzung für die arabische Einheit wäre. Nur ist die Kabylei von nicht-arabisierten Imazighen (den sogenannten Berbern, der ursprünglichen Bevölkerung Nordafrikas) bewohnt, die fest entschlossen sind, ihre Sprache, ihre Kultur und ihre demokratischen Strukturen aufrechtzuerhalten..

2001 gab es massive Demonstrationen der Kabylen gegen die Militärdiktatur und die verheerenden Auswirkungen der Islamisierungs- und Arabisierungspolitik. Die Gleichgültigkeit und die negativen Reaktionen der arabisierten Algerier hat das algerische Regime dazu ermuntert, die Kabylei mit einem massiven Einsatz von Militärs und islamischen Predigern zu „normalisieren“. Heute wird die Kabylei instrumentalisiert, um der arabisierten Bevölkerung zu zeigen, dass das Militärregime der beste Verteidiger der arabischen Nation und des Islams sei.

1999 erschien in Paris der erste Roman Boualem Sansals „Le serment des barbares“ (dt. Der Schwur der Barbaren), für den er zwei Auszeichnungen, den Prix Tropiques und den Prix du Premier Roman verliehen bekam. Bis 2006 folgten vier weitere Romane, die allesamt auch ins Deutsche übersetzt wurden. Augrund seiner Kritik an den algerischen Zuständen und an die arabisch-islamische Ideologie, wurde Sansal im Industrie-Ministerium gekündigt.

Seine letzten Büchern, „Postlagernd“ und „Das Dorf des Deutschen“, eine Auseinandersetzung mit der Fälschung der kulturellen Identität Algeriens und der Verwandtschaft zwischen Islamismus und Nazismus, wurden in Algerien verboten. Sansal wurde von der algerischen Presse verpönt, nicht zuletzt weil er die Ansichten der Kabylen vertrat, obwohl er kein Kabyle ist.

{{Wo}} : EineWeltHaus München

Schwanthalerstrße 80

D-80336 München

{{Wann}} : 23.04.2010, um 19 Uhr