Heute vor 20 Jahren – Algerisches Militär annulliert die Wahlen und übernimmt die Macht

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Ob der Scherbenhaufen, den wir nun nach 20 Jahren in Algerien vorfinden besser ist, als das, was wir ohne die annullierte Wahl vorgefunden hätte, ist fraglich.

Bei den damaligen Parlamentswahlen 1991/92 befürchtete die Regierung den Sieg der Islamisten. Nach dem sich abzeichnenden Sieg der Islamischen Heilsfront (Front islamique du salut, FIS) wurden die Wahlen abgebrochen. Der damalige Präsident Bendjedid trat unter dem Druck des Militärs zurück. Als Übergangspräsidenten setzte das Militär zunächst Muhammad Boudiaf, und nach dessen Ermordung Ali Kafi und schließlich 1994 General Liamine Zeroual ein. Im März 1992 erfolgte die Anordnung zur Auflösung der FIS, woraufhin diese wiederum zum bewaffneten Kampf aufrief.

{{Was wäre damals passiert, wenn die islamische Partei an die Macht gekommen wäre?
}}
Für Außenstehende ist diese Situation ziemlich undurchsichtig, viele Algerier sind aber der Meinung, dass die Islamisten durch die demokratischen Wahlen an die Macht kommen wollten, um dann die Demokratie im Namen Allahs gleich wieder abzuschaffen und somit in Zukunft eine Opposition verboten worden wäre. Wir fänden vielleicht eine Situation wie heute im Iran

Die damals eher kleine Opposition hätten die Machthaber dann möglicherweise kurzerhand liquidiert – vielleicht wären es an die 300.000 gewesen. Jedenfalls weniger Opfer, als diejenigen, die dann im folgenden Bürgerkrieg ihr Leben ließen.

Damit die Islamisten die heutige Regierung überhaupt in Ruhe lassen, gibt es einen unausgesprochenen Deal zwischen den beiden Fronten: {{«wir lassen euch an der Macht, wenn ihr die Islamisierung und die Arabisierung des Volkes für uns übernehmt!»}}
Und, der Plan ist aufgegangen, denn gäbe es heute freie Wahlen in Algerien, dann würden die Islamisten gewinnen. Aber, die gibt es ja nicht. Zum Glück?

Wo die demokratische Kultur nicht zu Hause ist, da kann sie auch nicht mal eben einziehen. Die wahren Verlierer sind die Bewohner der eher gemäßigt muslimischen Kabylei im Nordosten des Landes. Viele Bewohner erträumen sich ein Leben in einem anderen Land und das eben nicht nur wegen der, durch den Staat runtergewirtschafteten Situation der Region, sondern eben auch, weil sie sich durch die Religion erdrückt fühlen. Warten wir noch zehn weitere Jahre, dann wird vermutlich selbst in dieser Region niemand mehr aufbegehren, dann sind endgültig alle klaren Gedanken aus den Köpfen verschwunden und man ist eingeschläfert, muss nicht mehr selbst denken. Dass macht Allah dann für einen.

Die Leute kennen nichts anderes mehr, bis auf ein paar Ausnahmen natürlich.

Andere Algerier sind anderer Meinung. Sie sagen, dass damals die Islamisten rechtmäßig gewonnen haben, also, sollte ihnen dieser rechtmäßige Sieg auch zustehen. So etwas sagt sich natürlich leicht, wenn man selbst im Ausland lebt und den staatlich verordneten Gehirnwäschen so entziehen kann.

Was helfen würde ist flächendeckend ein anderes, säkularisiertes Schulsystem einzuführen, einen Föderalismus oder Autonomiegebiete, wenn die Berbersprachen des Landes schon nicht offiziell werden, dann sollten sie wenigstens in ihren eigenen Regionen mehr offizielle Anwendung und Anerkennung finden.

Boualem Sansal, der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2011 antwortete in einem Interview auf die Frage, was denn sein größter Wunsch sei: „Dass sich Ägypter, Algerier und Tunesier endlich als Ägypter, Algerier und Tunesier definieren und nicht als Araber oder Muslime – dann wären sie wirklich auf dem Weg zur Demokratie.“ Dann könnten sie die anderen auch akzeptieren, die in ihrem Land leben, ohne gezwungen zu sein, ihre Identität zu verleugnen.*

«Was wäre also wenn?» Diese Frage vermag niemand zu beantworten.

Wünschenswert wäre aber, dass die Algerier endlich zur Ruhe kommen können und das sein können, was sie sind und nicht ständig an ihnen herummanipuliert wird. Ist das nicht ein universelles Menschenrecht?

Paula Barts – Tamurt.info

*http://uprising.blogsport.de/2011/09/28/ich-schreibe-gegen-das-toedliche-schweigen/

weitere Lesehinweise:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kalenderblatt/1646055/

1 KOMMENTAR

  1. {Persönlich habe ich den erst Wahl nach langen Jahren fln herschafft erlebt(1962-1989). Ich sicher Ihnen ,das dass niemals in Algerien nach dem Zeit krieg eine ernsthaft freiem Wahl stattgefunden und es wird in die Zukunft nicht geben, weil Demokratie eine Prozess unter den Lehrling Etappen(Fähigkeit haben) durch geführt wird und diese schule leider in Algerien nicht vorhanden ist.
    Hoffentlich frei kabylei(autonome) baut zukunft mit Demokratie!}

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