Malis Tuareg aktuell – Anerkennung des Landes Azawad

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In Frankreich ist es noch schlimmer, dort versucht man zur Zeit die Tuareg mit allen Mitteln und mit Hilfe prominenter Leute zu diskreditieren.

Warum hat die deutsche Presse aufgehört zu berichten?

Nach Einschätzungen dieser Zeitung könnte es der Fall sein, dass sich die deutsche Presse in diesem Fall nicht auf die französische verlässt, was sie im Falle der Afrika-Berichterstattung gern des öfteren tut. Oder haben sie Angst Stellung beziehen? Das Thema Tuareg, und das gilt nicht nur für Mali, ist tatsächlich politisch, als auch ethnologisch mehr als kompliziert und so wagt vermutlich niemand verbindliche Aussagen zu treffen.

Sicher ist eines: Die Tuareg fordern die Unabhängigkeit nicht erst seit gestern, sondern bereits seit 1958.

Es wird seitens der Presse wenig über die Hintergründe berichtet. Die Tuareg gehören zum Volk der Berber, also der Masiren. Sie haben eine eigene Sprache und ein eigenes Alphabet. Sie haben kulturell und sprachlich nichts mit anderen Afrikanern zu tun, sind aber gezwungen sich mit den anderen Völkern Malis als eine Nation zu verstehen, weil Mali einst als französische Kolonie am Reisbrett konstruiert wurde. Ohne Rücksicht auf ethnische Zusammenhänge.

Konflikte sind natürlich vorprogramiert, denn in der Wüste liegen große Ölvorkommen, von denen der Süden Malis (und nicht nur der) auch profitieren will.

Ein Grund, warum sich niemand dazu äußert Azawad als souveränen Staat anzuerkennen könnte der sein, dass man befürchtet, dass die Tuareg Algeriens, Nigers und Libyens es ihren Brüdern und Schwestern gleichmachen könnten. Wenn sich dann die Wüstenteile dieser vier Staaten zusammentun würde, so wäre dies ein Staat von einem enormen Ausmaß und natürlich auch mit einem riesigen Ölvorkommen, welches sich unter der Wüstendecke verbirgt.

Ein Mittel die Tuareg seit Generationen zu diskreditieren ist die Unterstellung des Waffenschmuggels. Jenes ist vielleicht nicht so weit hergeholt, aber dennoch sollte man die Tuareg keinesfalls darauf reduzieren.
Russland, Deutschland, die USA, etc. machen ihren Waffenhandel ganz öffentlich und legal, ganz egal mit wem. Sie liefern selbst an die schlimmsten Schurkenstaaten. Die Tuareg haben dazu scheinbar nicht das Recht, sie waren bisher ja auch nicht unabhängig. Aber dieses Beispiel macht gut deutlich, dass gewisse Machtstrukturen überdenkenswürdig sind.

Des Weiteren wurde kürzlich in der Tagesschau berichtet, dass sich die Tuareg den Islamisten bzw. Al Kaida angeschlossen haben, was ebenfalls fragwürdig ist. Die Tuareg leben schon immer in einer Form des Matriachats, was ganz und gar nicht mit den Vorstellungen der Islamisten konform geht, was natürlich nicht ausschließt, dass sich Islamisten an die Rebellion drangehängt haben, wie sie das bei vielen Bewegungen auch getan haben, wie etwa auch der marokkanischen Bewegung vom 20. Februar, welche eigentlich für demokratische Werte steht.

Auch dass die Tuareg, die nun aus Libyen zurückgekehrt sein sollen, Söldner bei Ghaddafi waren, ist nie belegt worden, wird aber weiterhin immer wieder gern behauptet. Der Tuareg MNLA-Sprecher Mossa Ag Attaher weist dies ebenfalls zurück: „Einige waren Soldaten in der libyschen Armee, manche sogar hochrangige Militärs. Als sie gemerkt haben, dass dies ein Krieg unter Libyern war, haben sie ihre Sachen und Waffen eingepackt und sind zu uns zurückgekommen,“ sagte er der Tagesschau.

Die Tuareggruppe Tinariwen aus Mali hat in diesem Jahr bei der 54. Grammy-Musikpreisverleigung einen Grammy für das beste „World Music Album“ verliehen bekommen. Seit langem machte sie auf die Marginalisierung der Tuareg in Afrika aufmerksam und setzt sich für die Rechte der Masiren ein.

Es ist immer schlecht ein Volk zu unterdrücken und seine Rechte zu missachten. Jenes hat sich auch im Falle der Tuareg gezeigt und die Zeit wird ihnen hoffentlich Recht geben. Und nach ihnen wird es vermutlich die Volksgruppe der Kabylen sein, die den Aufstand probt und ihre Autonomie noch stärker eifordert, oder wie im Falle der Tuareg und ihrer Unabhängigkeit, einfach nimmt.

Jene Idee ist nicht neu und wurde kürzlich auch von dem Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels Boualem Sansal propagiert. Im Falle Sansals sprach dieser davon, einfach die Autonomie der Kabylei im Nordosten Algeriens zu proklamieren und dann sei es an den anderen zu kommen, um zu verhandeln.

Boualem Sansal: „Sie (die Kabylen) haben weder gewartet, noch sind zu irgendwelchen Regierungen, Parteien oder Sonstigem gegangen, um ihnen mitzuteilen, dass man kämpfen wird, um irgendeine Kleinigkeit hier oder da zu bekommen. Das ist nämlich das, was die Leute 30 jahrelang gemacht haben, aber geführt hat es zu nichts. Jenes hat uns nichts als Repressionen, Unterdrückung und Korruption eingebracht. Aber nun agieren sie als Revolutionäre. Der Revolutionär, der den Kampf aufnimmt und der sich mit einfachen Worten befreit:

Ich bin autonom.

Jetzt können Sie zusehen, wie Sie mit Ihren Problemen zurechtzukommen. Sie können es akzeptieren oder nicht, das ist jetzt Ihr Problem. Was soll ich sagen, ich habe eine revolutionäre Mentalität, was auch gut so ist und genau aus diesem Grunde schließe ich mich den M.A.K. – Aktivisten an.“

Tamurt.info ist für einen Staat Azawad.

Uli Rohde – Tamurt.info