Marokko feiert den neuen Verfassungsentwurf.

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„Natürlich freuen wir uns, dass sich in unserem Land endlich etwas bewegt, aber die Reformen gehen nicht weit genug,“ sagt Abdellah. „Aber bis gestern Abend wollte ich nicht glauben, dass das Tamazight wirklich offizielle Amtssprache werden soll. Und man darf ja auch nicht vergessen, dass dieses erst ein Verfassungsentwurf und nicht das endgültige Inkrafttreten bedeutet. Das ist für den 1. Juli angesetzt. Und selbst dann, muss man sehen, wie das alles umgesetzt wird.
Irgendwie sind wir hier, gerade was die Masirenbewegung angeht immer sehr misstrauisch. Wir haben seit Jahrzehnten gekämpft und nun soll es vollbracht sein? Also, um ehrlich zu sein: ich glaube nicht dran. Und außerdem kämpfen wir weiter für Demokratie und Freiheit, denn es da durchaus noch ein paar Lücken im neuen Verfassungsvorschlag.“


{Nach der Rede Mohammeds VI haben alle gefeiert… ob sie wissen, was sie tun?}

„Des Weiteren dürfe man auch nicht vergessen, dass es immer noch politische Gefangene gibt, die unschuldig seit Jahren im Gefängnis sitzen. Ihr Schicksal bleibt weiterhin ungewiss – auch nach der Verfassungsänderung,“ meint Brahim. „Also werden wir weitermachen. Das Problem ist, dass die Leute nicht alle so gut ausgebildet sind, dass sie verstehen, was der König verlesen hat. Sie feiern da draußen ohne zu wissen, dass es sich wieder nur um einen faulen Kompromiss handelt. Ich habe meine Freunde angerufen und gefragt, ob sie auch die Rede des Königs ansehen und sie meinten, dass sie gar nichts verstanden hätten, er habe ja auf Arabisch gesprochen. Als ich Morgen auf Markt war, um Brot zu kaufen, habe ich in der Bäckerei auf Tamazight mein Brot bestellet – wie immer – und mein Bäcker hat zu mir gesagt: du kannst jetzt Stolz auf Tamazight sprechen, und niemand kann dir etwas sagen! Diese Zeit, in der wir unterdrückt waren, ist nun wohl endgültig vorbei.“


{Frauen auf Marokkos Straßen: Foto: Facebook}

Eines ist klar: Die Bewegung des 20. Februar (Mouvement du 20. Février), welche zumeist aus jungen Marokkanern besteht, wird weiterhin in den kommenden Wochen und Monaten auf Marokkos Straßen zu sehen sein und „Freiheit“ und „Würde“ skandieren.


Foto aus der Region der Rifkabylen im Norden: Ouarroud Aziz

Für morgen sind jedenfalls schon wieder landesweite Demonstrationen angekündigt.

Die Freude ist groß und selbst die Skeptiker finden etwas Positives in den angekündigten Reformen – „Immerhin bewegt sich was!!“

Brahim Ubaha (Marokko) und Uli Rohde (Deutschland)

1 KOMMENTAR

  1. trauemt schoen!!!! Es ist nur Staub in die Augen!!! Die Freiheit muss erkaempft werden.Die wird nicht verschenkt. Besonderes nicht von Menschen die Menschenrechte verachten…ayas makkan…!
    Ah ya ddin qessam!

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