Tamazight wird offizielle Landessprache in Marokko

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Es geht um verschiedene Punkte, die die neue Verfassung umfasst. Die wichtigste Änderung dürfte allerdings die sein, dass das Tamazight (eine Berbersprache), welches in Marokko viele Millionen Sprecher hat, nun endlich zu einer offiziellen Landessprache neben dem Arabischen werden soll.
Seit vielen Jahrzehnten setzen sich die Berber dafür ein. Am 9. März kündigte Mohammed VI nach wochenlangen landesweiten Protesten bereits die Verfassungsänderung an.

Tamurt.info hatte bereits heute am späten Nachmittag den Entwurf vorliegen. Gestern Abend sickerten bereits die ersten Informationen durch, die sich nun bestätigt haben.

Im Artikel 5 des vorgeschlagenen Verfassungsentwurfs steht geschrieben, dass neben dem Arabischen, das Tamazight nun zur offiziellen Sprache wird.

Artikel 5 des neuen Verfassungsentwurfs:

„Arabisch bleibt offizielle Landessprache.
Der Staat schützt die Entwicklung und die Nutzung dieser Sprache.
Tamazight ist die Sprache aller Marokkaner – ohne Ausnahme- und ist damit offizielle Sprache.“

Kritiker und Aktivisten sind dennoch skeptisch. Dies alles müsse sich erst einmal bestätigen und auch dann wirklich in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Die größte Angst war zunächst, dass das Tamazight wie in Algerien nur Nationalsprache wird und damit im Grunde nicht mehr bedeutet, dass diese Sprache in Algerien gesprochen wird. Ansonsten sind alle wichtigen Dokumente, sowie der Schulunterricht auf Arabisch.

Ob sich das Tamazight nun in Marokko nicht nur offiziell wird, sondern sich dann auch etablieren wird, bleibt abzuwarten.

In Marokko gab es auch lange Diskussionen, in welcher Schrift das Tamazight geschrieben werden soll. Zur Wahl standen Arabisch, was allein die Islamisten befürworten, dass Lateinische, dem alle anderen eigentlich zustimmen würden. Hiergegen stellen sich aber die Islamisten, die sich nun auch in letzter Sekunde noch gegen die Offizialisierung des Tamazight stellten. Nun wird schon seit zehn Jahren auf Tiffinagh geschrieben. Die Schrift, die auch die Tuareg benutzen. Mit dieser Schrift katapultieren sich die marokkanischen Berber im Grunde selber ins aus, denn sie ist kaum zu etablieren, auch wenn es bereits ein paar Programme in dieser Sprache gibt.
Dennoch ist man über jedes Zugeständnis in Marokko so froh, dass man sich auch gern mal mit dem kleinen Finger zufrieden gibt.

Aber die Tatsache, dass sich nun etwas für die Berber in Marokko bewegt, ist eine wahre Sensation, die keinesfalls geschmälert werden sollte. Es ist außerdem ein Schritt in Richtung Demokratie und ein Signal für ganz Nordafrika. Nun werden die libyschen, tunesischen und algerischen Masiren neidisch nach Westen schielen und möglicherweise auch wieder auf die Straßen gehen.

Die Marokkaner erwarten die Rede des Königs mit Spannung, aber egal, was er auch sagen wird. Der Kampf um die Demokratie und Freiheit ist in Marokko noch lange nicht zu Ende.

Uli Rohde -Tamurt.info

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