Vortrag mit Boualem Sansal am 22.1.2012, um 14h – „Die Zukunft der Kabylei in einem arabischen Algerien“

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Die Probleme in der Kabylei – einer Bergregion im Nordosten Algeriens – die eine Hochburg des Befreiungskrieges gegen die Kolonialherrschaft
Frankreichs war, sind sehr vielschichtig. Das Hauptproblem liegt in
der Durchsetzung einer Re-islamisierungs- und Arabisierungspolitik
durch durch das Militärregime nach der Unabhängigkeit Algeriens 1962,
welche eine Voraussetzung für die arabische Einheit wäre. Nur ist die
Kabylei von nicht-arabisierten Imazighen (den sogenannten Berbern, der
ursprünglichen Bevölkerung Nordafrikas) bewohnt, die fest entschlossen
sind, ihre Sprache, ihre Kultur und ihre demokratischen Strukturen
aufrechtzuerhalten. 2001 gab es massive Demonstrationen der Kabylen
gegen die Militärdiktatur und die verheerenden Auswirkungen der
Islamisierungs- und Arabisierungspolitik. Die Gleichgültigkeit und
die negativen Reaktionen der arabisierten Algerier hat das algerische
Regime dazu ermuntert, die Kabylei mit einem massiven Einsatz von
Militärs und islamischen Predigern zu „normalisieren.“ Heute wird die
Kabylei instrumentalisiert, um der arabisierten Bevölkerung zu zeigen,
dass das Militärregime der beste Verteidiger der arabischen Nation und
des Islam sei.
1999 erschien in Paris Boualem Sansals erster Roman „Le serment des
barbares“ (dt. Der Schwur der Barbaren), für den er zwei
Auszeichnungen, den Prix Tropiques sowie den Prix du Premier Roman
verliehen bekam. Bis 2006 folgten vier weitere Romane, die allesamt
auch ins Deutsche übersetzt wurden. Augrund seiner Kritik an den
algerischen Zuständen und an der arabisch-islamischen Ideologie, wurde
Sansal im Industrie-Ministerium gekündigt.
Seine letzten Bücher „Postlagernd: Algier“ und „Das Dorf des
Deutschen,“ eine Auseinandersetzung mit der Fälschung der kulturellen
Identität Algeriens und der Verwandtschaft zwischen Islamismus und
Nationalsozialismus, wurden in Algerien verboten. Sein neuestes Buch
„Rue Darwin“ ist 2011 erschienen. Sansal wurde von der algerischen
Presse verpönt, nicht zuletzt, weil er die Ansichten der Kabylen
vertrat, obwohl er kein Kabyle ist.

Sansals Bücher stehen in Algerien auf dem Index, seiner Frau wurde
aufgrund seiner Schreiberei ihre Arbeit als Lehrerin gekündigt. Sansal
wird der Mund verboten, was ihn aber nicht abschreckt weiterzumachen.
Er verbleibt freiwillig in Algerien, auch wenn sein Leben dort
praktisch täglich bedroht ist, aber seiner Meinung nach kann er nur
von Innen heraus etwas bewerten und bewegen.

{{Ort der Veranstaltung:}}

Mehrzweckhalle Niedergailbach, Auf der Au, 66453 Gersheim

Der Eintritt ist frei.

Kontakt :
– Kabylie@gmx.de