Zwei Legenden – ein Konzert

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Bevor die Zuschauer ihren Spaß hatten, hieß es allerdings stundenlanges Schlangestehen, denn die Plätze im ausverkauften Sportpalast am Porte de Versailles waren frei wählbar und natürlich wollte jeder seinem Star ganz nah sein. Bei genauerer Betrachtung des Publikums wurde klar, dass sich die beiden Künstler bei Jung und Alt gleicher Beliebtheit erfreuen, denn beim Publikum war altersmäßig alles vertreten.

Kamel Tarwiht, Fernsehmoderator bei Berbère Télévision ergriff als erster das Wort bei diesem Konzert und führte durch den Abend.

Als Akli Yahayten die Bühne betrat, schallte ihm ein donnerneder Applaus entgegen und mit seinem unnacharmlichen Stil verkörpert er seine Generation, spricht, bzw. singt ihnen mit seinen tiefsinnigen Texten aus der Seele.
Das Publikum war sichtlich bewegt von seinen Lieder und zu seinem breiten Spektrum an Musik konnte man sentimental nachdenken, aber ein paar Minuten später ausgelassen tanzen. Einem deutschen Zuschauer mag dies etwas seltsam erscheinen sich mitten in den Reihen von seinen Plätzen zu erheben und zu tanzen – für die Kabylen scheinbar das natürlichste der Welt, was erheblich zur guten Stimmung im Saal beitrug.

In der zweiten Hälfte sollte das Tanzen vor der Bühne mit Rücksicht auf die Gäste die in der ersten Reihe sitzen, verboten werden, weil ihre Sicht eingeschränkt war. Dann « erdreistete » sich aber eine ältere Kabylin in ihrer Euphorie zu tanzen doch nach vorn zu gehen, worauf viele andere ihrem Beispiel folgten. Versuchen Sie mal einem Kabylen zu erklären, er habe gefälligst zu seiner Lieblingsmusik nicht zu tanzen. Unmöglich! Und es stimmt, denn die Musik dieser beiden « Altherren » ging durch und durch und man konnte fast nicht anders, als zu sich zum Rhytmus der Klänge und Trommeln zu bewegen. Die Stimmung war zeitweise atemberaubend!

Nach dem ersten Teil war Menguellets Sohn Djaffar mit ein paar Liedern zu hören, dessen Klänge einen schönen Kontrast bieteten, bis das Programm dann unter tobenden Applaus mit seinem Vater weiterging. Djaffar wechselte dann von der Gitarre zum Piano und zur Flöte und gab die Bühne für seinen Vater frei.

Akli Yahyaten’s und Lounis Aït Menguellet’s Lieder sind bekannt für ihre Poesie und ihre Tiefe. Sie verkörpern für die Kabylen auch Kulturboten ihrer kabylischen Sprache.

Ein aufgeregtes Schreien ging durch die Menge, als der Sänger Idir plötzlich unangekündigt die Bühne betrat und einen Moment mit Lounis Aït Menguellet sang.

Am Ende gab es ein riesiges Finale und man hatte den Eindruck, dass die Zuschauer fürs lange Wartenmehr als Entschädigt wurden. Mit einem überwältigenden Applaus bedankte sich das Publikum bei den Darstellern, die an diesem Abend wirklich wieder einmal ganze Arbeit geleistet hatten.

Allen Künstlern sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für einen unvergesslichen Abend gedankt.

Uli Rohde, Paris