Erinnerungen an meine Schulzeit

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…in der Grundschule Isli n Umyis (1) ging ich in den 1970ern im Alter von 6 Jahren das erste Mal in die Schule. Davor habe ich niemals Menschen getroffen, die Arabisch sprechen.
Die wenigen, die sich doch hin und wieder in unser Dorf verirrten waren Bettler, denen man, wie es eben Sitte war, getrocknete Feigen, Olivenöl oder andere essbare Sachen gab.

Die einzigen Worte, die ich von diesen Wesen wahrnehmen konnte, waren „Taam Rabi ya lmumnin“, was arabisch ist und auf Deutsch soviel bedeutet wie: „Barmherzigkeit im Namen Gottes!“
Erst viele Jahre später erschließt sich mir die wahre Bedeutung dieser Worte.

Nun aber zurück zu meinen ersten Schultagen:
Anstelle eines Einheimischen, der mir meine eigene Sprache beibringt, fand ich, merkwürdigerweise, Menschen, mit einem seltsamen Benehmen, die eine ebenso seltsame Sprache sprachen. Die erste Sprache, die ich in der Schule lernte war Arabisch und nicht etwa meine eigene Sprache, (Kabylisch).

Anstatt, dass ich meine Kenntnisse in meiner eigenen Sprache, die ich ja bis dahin erworben hatte erweiterte, wurde ich hingegen dazu gezwungen in einer komplett neuen Sprache bei Null anzufangen.
Meine eigene Sprache wurde bei Seite gepackt und verfiel.

Seltsam an diesen Arabischlehrern war, dass sie von anderen Ländern wie etwa Ägypten und Syrien geschickt wurden.
Sie hatten überhaupt keinen pädagogischen Hintergrund oder überhaupt irgendwelches Wissen über die Nordafrikanische Bevölkerung.
Wie könnten diese Typen mir und meinen Kameraden unsere kulturellen und moralischen Werte vermitteln, da sie diese noch nicht einmal kannten, geschweige denn meine Sprache sprachen?

Aber, ihre Mission war sowieso eine andere.
Wir wurden in arabischer Geschichte, ihrer Religion und Kultur unterrichtet.
Und wäre das nicht schon genug gewesen, nein, am Ende erzählten sie uns auch noch, wir seien Araber und Moslems. Sie schlugen uns und verpflichteten uns viele religiöse Verse des Korans auswendig zu lernen.

Ich vergesse nie einen dieser Wintertage, an dem wir sowieso schon so durchgefroren dasaßen und dann zu allem Überfluss auch noch Hiebe mit einem Stock auf unsere Fingerspitzen bekamen… Einer meiner Kameraden wurde plötzlich hochgerissen und mehrmals gegen die Tafel geschleudert…
Ja, das waren so die beständigen Bestrafungen dieser Fremden.

Und irgendwie stimmte hier etwas nicht:

Erstens: Wie konnte es sein, dass in unseren Dörfern niemand Arabisch sprach, wo wir doch angeblich alle Araber sein sollten.

Zweitens: Jeder im Dorf oder in den anderen Dörfern sprach „Taqvaylit! (2)

Drittens: Meines Wissens reisten während dieser Zeit nur Schafhändler in die „Timura b waaraven,” also in die arabischen Länder.

Dieses konnte ja offensichtlich nur eins bedeuten:
{{nämlich, dass unsere Dörfer nicht-arabisches Land sein musste.}}

Fortsetzung folgt…

Anmerkungen:
(1) Isli n Umyis: Name der Grundschule im Dorf “At vu Gerdan”
(2) Taqvaylit: “die Sprache der Kabylen”

M. Nat Idir, lebt in München, Deutschland, von wo aus er bei Tamurt.info. mitarbeitet.
Er hat ein paar Erinnerungen aus seiner Schulzeit zusammengefasst, die er auf tamurt.info teilen möchte.

Übersetzung aus dem Englischen: Uli Rohde, tamurt.info

1 KOMMENTAR

  1. Wir waren im fln islamisch arabischen algerisch Schule gewesen (84-96), bei diesem Aufenthalt für uns als Schüler hat (dauert 12 Jahren) dieses Zeit kein Rolle gespielt.
    Unserer meiste Zeit es ist am See(Schwimmen), Berg(schnee im Winter), Wald und Fußball Stadien verbracht! Was erzählt islamisch arabisch Lehrer (in) in der Wochen(Samstag-Donnerstag) Unterrichten, haben wir keine Ahnung?
    Trotzdem als jagdlichen haben wir viele Spaß gehabt(Traumhaft Landschaft, sonnenschein und sexuell selbst Befriedigung gelernt,{{ spunscha}} en kabyle) .

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