Islamistische Partei PJD gewinnt Parlamentswahlen in Marokko

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Wie es aussieht wird die PJD etwa 80 Plätze der insgesamt 325 Plätze des marokkanischen Parlaments einnehmen. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben des marokkanischen Innenministeriums bei 45%. Bei der letzten Parlamentswahl 2007 lag die Wahlbeteiligung bei nur 37%. Zur Wahl standen diesmal 7100 Kandidaten aus über 30 Parteien, aus welchen die 395 Abgeordneten gewählt werden sollten.

In Anbetracht der letzten Wahlen anderer Länder des „arabischen“ Frühlings, wie etwa Tunesien, wo ebenfalls eine islamische Partei die letzten Wahlen gewann, war abzusehen, dass auch in Marokko eine islamistische Partei das Rennen machen wird.

Mehdi Achtuk: „Die nächsten Demonstrationen sind für morgen, den 27. November angesetzt in allen großen Städten, also Rabat, Casablanca, Agadir und Tanger. Demonstriert wird diesmal gegen das Wahlergebnis. Organisiert wird das ganze wieder vom Movement du 20. Février.“

Ein Wahlsieg der islamischen Partei ist nicht kritiklos zu betrachten. Es ist bekannt, dass die Prediger in den Moscheen den Gläubigen regelrecht einpeitschen, welche Partei sie zu wählen haben. Viele der über 13 Millionen Wähler können nicht einmal Lesen und Schreiben. Sie sind davon abhängig, was Ihnen andere erzählen. Die Medien in Marokko sind ebenfalls stakt islamisch geprägt.

Die Menschen in Marokko wollten Demokratie. Dafür gingen sie seit Monaten auf die Straßen, um ihr Recht durchzusetzen. Es stellt sich nur die Frage, ob Demokratie und Islam sich nicht vielleicht im Wege stehen. Diese Frage kann jeder nur für sich selbst beantworten und die Antwort hängt davon ab, wie tolerant ein islamischer Glaube gelebt wird. In jedem Fall dürfte nun für die Berber des Landes, die sich seit Jahrzehnten für die Offizialisierung des Tamazight, einer Berbersprache einsetzen, der Kampf von neuem beginnen, denn die islamische Partei ist gegen eine Offizialisierung des Tamazight.

Uli Rohde. Paris

Mehdi Achtuk, Rabat