Tuareg sind die Verlierer des Umbruchs in Libyen

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Außerdem warne die „Koordination der Tuareg in Libyen“ vor Übergriffen und bezeichne die Lage der Ureinwohner im Land als „katastrophal“. Der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius warnte: „Es ist fatal für die Tuareg, dass sie pauschal als Gefolgsleute Gaddafis dargestellt werden und ihnen sogar eine führende Rolle bei der Flucht des Diktators beigemessen wird. Damit wird einerseits ihr politischer Einfluss in Nordwestafrika überschätzt und gleichzeitig die Vielfalt der Tuareg-Bewegung ignoriert. Denn auch Repräsentanten der 600.000 in Libyen lebenden Tuareg wurden von Gaddafis Schergen bedroht und mussten deshalb das Land verlassen.“

Delius befürchtet, dass die Tuareg wieder einmal zu den großen Verlierern des Umbruchs in Nordafrika werden. Weil Gaddafi seit Beginn der 90er-Jahre Tuareg-Freiheitsbewegungen im Norden Malis und Nigers unterstützte und aus diesem Kreis nun auch Söldner anwarb, um die Aufständischen in seinem Land zu bekämpfen, werden alle Tuareg kollektiv für „Anhänger des Diktators“ gehalten. „Dabei haben die meisten der in Libyen lebenden Tuareg nichts mit diesen Söldnern zu tun und standen Gaddafi kritisch gegenüber, weil er die Existenz nicht-arabischer Völker in Nordafrika lange Zeit leugnete“, sagte der Menschenrechtler. Nach Libyen kamen die meisten Tuareg auf der Suche nach Arbeit, nachdem die Dürrekatastrophen in der Sahelzone in den 70er-Jahren ihre Viehherden und wirtschaftliche Existenz vernichtet hatten.

Zudem waren die Tuareg-Kämpfer in Mali und Niger niemals besonders enge Gefolgsleute Gaddafis. „Der Diktator instrumentalisierte die Tuareg genauso wie Freiheitsbewegungen im Tschad, Sudan und anderen Staaten, um Afrika zu destabilisieren“, berichtete Delius. „Mehrfach hat Gaddafi ihnen die Unterstützung entzogen, wenn es ihm opportun erschien.“ Nun zu vermuten, dass die Tuareg Gaddafi Asyl vermitteln würden, sei unrealistisch. Denn in keinem Staat Nordwestafrikas haben die Tuareg so eine Machtposition, um Schutz für den ungeliebten Diktator zu gewährleisten. „Sie sind selber in diesen Ländern in einer äußerst schwierigen Situation und dafür ist Gaddafi maßgeblich verantwortlich.“

Der Umbruch in Libyen trifft die Tuareg zu einem schwierigen Zeitpunkt. Denn seit der weltweite Kampf gegen den Terrorismus sich auch gegen „El Kaida im Maghreb“ (AQMI) richtet, leiden sie unter der Militarisierung der Sahara. So ist der Tourismus zusammengebrochen, der als wirtschaftlich wichtige Einnahmequelle der Tuareg gilt.

Ulrich Delius GfbV – Gesellschaft für bedrohte Völker

Anm. d. Red.:
Die Tuareg gehören zur Gruppe der Masiren/Berber.
Das Problem, dass die Masiren/Berber gern bei einem Machtwechsel übergangen werden ist keine neue Sache. In vielen Ländern, in denen derzeit Revolutionen entflammten, sind in vielen Fällen auch Berber bei den Demonstrationen an vorderster Stelle. Im damaligen Unabhängigkeitskrieg Algeriens gegen Frankreich waren es ebenfalls zu einer großen Zahl Masiren, die gegen die französischen Truppen kämpften. Sie sind heute ebenfalls die Verlierer und fallen bis heute der Arabisierung zum Opfer. Die Übergangsregierung in Libyen soll bereits in der neuen Verfassung verkündet haben, dass Libyen ein arabo-islamischer Staat ist. Dies ist auf gut Deutsch ein Schlag ins Gesicht der Berber, genauer der Tuareg die in Libyen seit Jahrzehnten für ihre Anerkennung kämpfen.

2 KOMMENTARE

  1. Dynastie von kadafi gehört zum Vergangenheit, ein hartes und trauriges Schicksal ende. Nach sein Leich aussehen, bestimmt, mit dem eisige Faust(ohne Gefühl) in sein Gesicht durch geschlagen( bis zum tot geprügelt), (chinchwent amuyazidh) , nicht mit Pistole(9mm) getötet worden, wie vermutet die neue provisorisch macht in dieser Wust Land.

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